Holzarten bestimmen
Holz erkennen ohne Labor
Ob Tischlerlehrling, Bastler oder Förster: Wer Holz sicher erkennen will, braucht keinen Laborbefund, sondern einen geübten Blick. Die meisten heimischen Holzarten lassen sich mit Auge, Nase, Hand und einer einfachen Lupe bestimmen. Hier zeigen wir in vier Schritten, worauf es ankommt.
1. Das Hirnholz ansehen – am besten mit der Lupe
Am sichersten bestimmen Sie Holz am Hirnholz, also an der Stirnseite des Brettes. Schneiden Sie die Fläche mit einem scharfen Messer glatt und betrachten Sie sie mit einer Lupe (etwa 10-fach). Dann werden Poren, Jahrringe und Holzstrahlen sichtbar.
- Nadelholz hat keine Poren. Fichte, Tanne, Lärche, Kiefer und Zirbe zeigen nur gleichmäßige Zellreihen und deutliche Jahrringe.
- Ringporiges Laubholz hat große Poren in einem Ring am Beginn jedes Jahrrings: Eiche, Esche, Ulme (Rüster), Edelkastanie und Robinie (Akazie).
- Zerstreutporiges Laubholz hat kleine Poren, gleichmäßig über den Jahrring verteilt: Buche, Ahorn, Birke, Erle, Linde, Kirsche und Birne.
2. Holzstrahlen und Harzkanäle
- Eiche oder Esche? Beide sind ringporig. Die Eiche hat aber breite, gut sichtbare Holzstrahlen (im Längsschnitt als glänzende „Spiegel“), die Esche nicht.
- Buche erkennen Sie an vielen kleinen, rötlich-braunen Strichen auf der Seitenfläche.
- Fichte oder Tanne? Fichte hat Harzkanäle und ist gelblich-weiß mit leichtem Glanz. Tanne hat keine Harzkanäle und wirkt matter, oft leicht grau.
- Lärche und Kiefer haben einen deutlich dunkleren, rötlichen Kern. Bei der Lärche ist der Übergang vom hellen Frühholz zum dunklen Spätholz besonders scharf.
3. Farbe – unbehandelt und lackiert
Viele Hölzer verändern ihre Farbe durch Licht und Oberflächenbehandlung. Kirsche dunkelt rötlich nach, Lärche wird kräftiger orange-braun, Ahorn bleibt sehr hell. Deshalb ist jedes Brettchen unserer Holzsammlung auf einer Seite lackiert und auf der anderen unbehandelt – so sehen Sie beide Zustände direkt nebeneinander.
4. Geruch, Gewicht und Härte
Frisch angeschliffen riecht Holz typisch: Die Zirbe duftet unverwechselbar aromatisch, Kiefer und Lärche riechen harzig, Eiche leicht säuerlich durch ihre Gerbstoffe.
Bei gleicher Größe sind die Gewichtsunterschiede deutlich spürbar. Ein Buchenbrettchen ist rund 50 % schwerer als eines aus Tanne oder Pappel. Richtwerte für die Rohdichte von lufttrockenem Holz:
- Zirbe, Pappel, Tanne: ca. 400–470 kg/m³ – leicht und weich
- Fichte, Linde: ca. 470–530 kg/m³ – leicht
- Lärche, Kiefer: ca. 520–600 kg/m³ – mittel
- Ahorn, Walnuss, Birke: ca. 620–660 kg/m³ – schwer
- Eiche, Esche, Buche: ca. 680–720 kg/m³ – schwer und hart
Üben mit der Holzsammlung
Holz erkennt man am besten durch Übung. In unseren Holzsammlungen trägt jedes Musterbrettchen (16 x 9 x 1,5 cm) eine eingebrannte Nummer, die nach dem Zufallsprinzip vergeben wurde. So können Sie sich selbst testen, ohne dass die Nummer die Holzart verrät. Die Auflösung finden Sie im beiliegenden Infoheft.
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